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Pferdewohl/Der erste Abschied: Was die Forschung zum Absetzen von Fohlen sagt
Stute und Fohlen mit den Köpfen zueinander
Pferdewohl · Reportage · Verhalten & Leben

Der erste Abschied: Was die Forschung zum Absetzen von Fohlen sagt

Das Absetzen – die Trennung von Stute und Fohlen – gilt als eines der einschneidendsten Ereignisse im Leben eines Pferdes.

8 Min. Lesezeit·Aktualisiert August 2026

Das Absetzen – die Trennung von Stute und Fohlen – gilt als eines der einschneidendsten Ereignisse im Leben eines Pferdes. Die Forschung sagt es klar: Absetzen in der Domestikation bedeutet nicht nur die nährstoffliche Trennung, sondern auch das Auflösen starker sozialer Bindungen. Das trägt zu erheblichem psychologischem Stress beim Fohlen bei – noch verstärkt, wenn Fohlen abrupt abgesetzt werden.

Eines der stressreichsten Ereignisse im Pferdeleben

Die physiologischen Zeichen sind gut dokumentiert. Studien zeigen: Künstlich abgesetzte Fohlen zeigen mehrere physiologische und verhaltensbezogene Stressreaktionen, darunter Gewichtsverlust, erhöhte Cortisolspiegel, Vokalisieren und gesteigerte Bewegungsaktivität.

Abruptes gegen schrittweises Absetzen

Die Methode entscheidet stark darüber, wie viel Stress das Fohlen erlebt. Eine Zusammenfassung des Forschungsstands stellt fest: Abruptes Absetzen ist stressiger als die Form des schrittweisen Absetzens, bei der Fohlen geruchlichen, visuellen und akustischen Kontakt zur Stute behalten dürfen – und das gilt auch für die Form, bei der Stuten nacheinander aus einer Gruppe genommen werden.

Eine detaillierte Verhaltensstudie fand klare Unterschiede in der akuten Reaktion: Abrupt abgesetzte Fohlen vokalisieren häufiger und legten sich in den ersten fünf Stunden nach dem Absetzen nicht auf die Seite – im Gegensatz zu schrittweise abgesetzten Fohlen. Dieselbe Forschung notierte aber: Fohlen beider Gruppen zeigten Aggression gegen andere Fohlen, nicht-nutritives Saugen und fehlendes Spielverhalten als Stresszeichen, unabhängig von der Behandlungsgruppe – ein Hinweis, dass sich ein Teil des Stresses kaum ganz vermeiden lässt.

Physiologische Messungen bestätigen das Muster

Cortisol ist der meistgenutzte Marker, um Stress bei Fohlen objektiv zu messen. Eine Studie an Trabrennsport-Fohlen fand: Die Cortisolspiegel blieben stabil nach einem Protokoll mit schrittweiser Trennung von der Stute und sozialer Unterstützung durch bekannte erwachsene Pferde – ein Hinweis, dass die Methode den Absetzstress senken kann, obwohl trotzdem Veränderungen bei Entzündungsmarkern beobachtet wurden.

Die Herzfrequenz liefert weiteres Material. Forschung hat gezeigt: Die Herzfrequenz stieg am Absetztag signifikant und blieb bei den Morgen-, Mittags- und Abendbeobachtungen erhöht – mit dem höchsten gemessenen Durchschnitt unmittelbar nach dem Absetzen. Dieselbe Studie fand Geschlechtsunterschiede: Stutfohlen bewegten sich nach dem Absetzen mehr, besonders bei den Mittags- und Nachmittagsbeobachtungen, und hatten am Morgen nach dem Absetzen höhere Cortisolspiegel als Hengstfohlen.

Gesellschaft während und nach dem Absetzen macht den Unterschied

Alleinsein verschärft den Stress deutlich. Die Forschung zeigt durchgängig: Individuelles Absetzen – das Fohlen steht danach allein – ist in der Regel stressiger, als wenn das abgesetzte Fohlen Gesellschaft von mindestens einem anderen Fohlen hat, auch wenn einzelne Studien das Bild je nach Gruppengröße etwas nuancieren.

Ortswechsel als eigener Stressfaktor

Ein oft übersehener Punkt: Das Absetzen wird manchmal mit dem Umzug auf eine neue Anlage kombiniert. Forschung, die genau das untersucht hat, fand: Der Ortswechsel kann ein noch größerer Stressfaktor sein als die Trennung von der Stute selbst. Und: Absetzen und Umzug zeitlich zu trennen – also nicht beides gleichzeitig zu tun – hatte langfristig negativere Effekte auf die Fohlen, als wenn beide Ereignisse zusammenfallen. Ein etwas kontraintuitiver Befund, der weiteren Forschungsbedarf zeigt.

Praktisch für dich als Pferdehalter

Checkliste
  • Wähle schrittweises Absetzen mit Kontakt zur Stute.
  • Sorge dafür, dass das Fohlen nach dem Absetzen Gesellschaft hat.
  • Plane Futter und Umzug sorgfältig – vermeide unnötigen Doppelstress.

Bei Hästannons gehören Pferdewohl und verantwortliches Halten zusammen – egal ob du kaufst, verkaufst, züchtest oder reitest. Lies weiter in der Serie und in unseren praktischen Ratgebern.

Häufige Fragen

Ist abruptes Absetzen schlimmer als schrittweises?

Ja – die Forschung zeigt klar höheren Stress beim abrupten Absetzen ohne Kontakt zur Stute.

Soll das Fohlen nach dem Absetzen allein stehen?

Nein – Gesellschaft von mindestens einem anderen Fohlen senkt den Stress im Vergleich zur Einzelbox.

Können Umzug und Absetzen gleichzeitig stattfinden?

Die Forschung deutet darauf hin, dass eine zeitliche Trennung der Ereignisse schlechtere langfristige Effekte haben kann – plan sorgfältig.

Mehr in der Serie

Vom Fohlen zum erwachsenen Pferd: Wohlbefinden in Zucht und Jungpferdeaufzucht—Die stille Sprache des Pferdes: Was das Verhalten über das Wohlbefinden verrät—Die Basis des Wohlbefindens: Futter, Umgebung und körperliche Gesundheit

Quellen

  • Deniz et al. (2025), Monitoring Weaning Stress in Fillies and Colts on a Thoroughbred Breeding Farm, PMC12729675
  • Moons et al. (2005), Waran et al. (2008), Apter & Householder (1996), Merkies et al. (2016), Bruschetta et al. (2017), Lansade et al. (2018), zitiert in Behavioral and hormonal effects of two weaning situations in trotter foals, ScienceDirect
  • McCall et al. (1985, 1987), Heleski et al. (2002), Holland et al., zitiert in Behavioral and hormonal assessment of stress in foals throughout the weaning process, PMC9821722
  • Effects of short-term maternal separations on weaning stress in foals, ScienceDirect
  • Weaning and weaning management of foals: A review and some recommendations, ScienceDirect
  • Determining optimal practices for foal weaning – A protocol for a systematic review and network meta-analysis, PLOS One