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Pferdewohl/Die Basis des Wohlbefindens: Futter, Umgebung und körperliche Gesundheit
Zwei braune Pferde grasen gemeinsam auf grüner Weide
Pferdewohl · Reportage · Körper & Pflege

Die Basis des Wohlbefindens: Futter, Umgebung und körperliche Gesundheit

Verhalten lässt sich oft schwer lesen – der Körper des Pferdes spricht meist klarer.

9 Min. Lesezeit·Aktualisiert August 2026

Verhalten lässt sich oft schwer lesen – der Körper des Pferdes spricht meist klarer. Futter, Umgebung und körperliche Gesundheit sind außerdem der Bereich im Pferdewohl, in dem quantifizierbare Forschung am umfangreichsten vorliegt.

Futter: eine biologische Fehlpassung

Das Pferd ist evolutionär darauf ausgelegt, große Teile des Tages faserreiches Gras aufzunehmen – wildlebende Pferde verbringen rund 60 Prozent ihrer Zeit mit Fressen, Turnierpferde in Einzelboxen oft nur etwa 15 Prozent, obwohl die gesamte Fresszeit häufig auf 4–5 Stunden zusammengedrückt wird, statt sich über den Tag zu verteilen. Die moderne Haltung mit begrenzter Weidezeit und kraftfutterlastigen Rationen steht damit in einem grundlegenden Konflikt zur Biologie des Pferdes.

Magengeschwüre – eines der häufigsten Gesundheitsprobleme

Die Forschung zeigt durchgängig hohe Zahlen. Studien an Turnierpferden im aktiven Training fanden Magengeschwüre bei 80 bis 90 Prozent der Vollblüter im Galoppsport und bei 60 Prozent der Showpferde. Auch in Populationen mit besserem Futtermanagement bleibt das Problem: Eine Studie an Islandpferden fand gastroskopisch bedeutsame Magengeschwüre (Grad ≥2/4) bei rund 27 Prozent – obwohl die Pferde auf Anlagen mit niedrigem Stärke- und Zuckergehalt im Futter standen.

Der Zusammenhang mit dem Futtermanagement ist gut belegt. Eine Studie an einer Reitsportanlage fand: Regelmäßiger Zugang zu konserviertem Raufutter dreimal oder öfter am Tag verbesserte die Chance auf weniger Magengeschwüre in der nicht-drüsigen Magenschleimhaut deutlich. Gleichzeitig hielten die Forscher fest: Weidezugang allein, ohne ergänzendes Futter, führt nicht automatisch zu niedriger Prävalenz – regelmäßiger Raufutterzugang war der wichtigere Faktor.

Magengeschwüre im drüsigen Teil des Magens (EGGD) sind mindestens ebenso häufig, aber weniger verstanden: Die Forschung zeigt eine Prävalenz zwischen rund 15 und über 60 Prozent, mit 50–60 Prozent bei Freizeit- wie bei Turnierpferden – ohne klare Kopplung an die Risikofaktoren, die man sonst mit Geschwüren in der nicht-drüsigen Schleimhaut verbindet.

Kolik – eine der häufigsten Todesursachen

Kolik bleibt eines der ernstesten Gesundheitsprobleme. Die Forschung hat mehrere zusammenwirkende Risikofaktoren identifiziert: Parasitenlast, bestimmte Futtermittel, kürzliche Futterumstellungen, Boxenhaltung, mangelnder Zugang zu Weide und Wasser, gesteigerte Trainingsmenge und Transport. Koppende Pferde haben zusätzlich ein erhöhtes Risiko: Forschung zeigt, dass Koppen/Luftschnappen als Risikofaktor für bestimmte Koliktypen gilt – darunter einfache Dickdarmverstopfung und Distensionskolik sowie Einklemmung im Foramen epiploicum (epiploic foramen entrapment).

Hufe – ein unterschätztes Problem

Chronische Hufprobleme gehören zu den häufigsten Gründen für eingeschränkte Beweglichkeit beim Pferd. Weil das Pferd selten eine klare Lahmheit zeigt, bevor das Problem weit fortgeschritten ist, braucht es regelmäßige, vorausschauende Hufpflege – nicht erst die reaktive Behandlung.

Schmerz – historisch unterdiagnostiziert

Ein wiederkehrendes Fazit der veterinärmedizinischen Forschung: Schmerz beim Pferd wurde lange unterdiagnostiziert, teils weil die Art Unwohlsein gut verbergen kann. Genau deshalb entstanden standardisierte Schmerzskalen wie die Horse Grimace Scale (mehr dazu im eigenen Reportage-Artikel über mentale Gesundheit und Verhalten des Pferdes).

Praktisch für dich als Pferdehalter

Checkliste
  • Verteile Raufutter über den Tag – mehrere Gaben schlagen eine große Ration.
  • Achte auf Zeichen von Magengeschwüren und Kolik, besonders bei Futterumstellungen.
  • Buche regelmäßige Zahn- und Hufkontrollen.
  • Halte Gewicht und Futterzustand über die Zeit fest.

Bei Hästannons gehören Pferdewohl und verantwortliches Halten zusammen – egal ob du kaufst, verkaufst, züchtest oder reitest. Lies weiter in der Serie und in unseren praktischen Ratgebern.

Häufige Fragen

Wie häufig sind Magengeschwüre bei Pferden?

Die Forschung zeigt hohe Werte in Turnierpopulationen (in manchen Gruppen bis zu 80–90 %), aber auch bei Freizeitpferden mit vergleichsweise gutem Futtermanagement.

Was senkt das Risiko für Magengeschwüre?

Regelmäßiger Raufutterzugang mehrmals am Tag ist einer der wichtigsten Faktoren – Weide allein reicht nicht immer.

Welche Risikofaktoren gibt es für Kolik?

Unter anderem Parasiten, Futterumstellungen, Boxenhaltung, begrenzte Weide, Transport, mehr Training und stereotype Verhaltensweisen wie Koppen.

Mehr in der Serie

Die stille Sprache des Pferdes: Was das Verhalten über das Wohlbefinden verrät—Die stille Epidemie: Übergewicht, EMS und Hufrehe—Was man nicht sieht: Zahngesundheit und Parasiten als Frage des Pferdewohls

Praktische Ratgeber

Koppeln und Weidemanagement—Stall und Boxenmaße

Quellen

  • Murray et al. (1996), McClure et al. (1999), Vatistas et al. (1999), zitiert in Prevalence of gastric ulcers in endurance horses – a preliminary report, ScienceDirect
  • Risk Factors for Equine Gastric Ulcer Syndrome Incidence in Adult Icelandic Riding Horses, PMC10668649
  • Prevalence and risk factors of equine gastric ulcer syndrome at a single sport horse facility, ResearchGate
  • Gastric disorders in adult horses, Vet Times
  • Prevalence of and risk factors for colic in horses that display crib-biting behaviour, PMC4123051
  • Five Freedoms for Horse Health and Welfare, MSD Animal Health Hub