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Pferdewohl/Was man nicht sieht: Zahngesundheit und Parasiten als Frage des Pferdewohls
Nahaufnahme von Nase und Zähnen eines Pferdes
Pferdewohl · Reportage · Körper & Pflege

Was man nicht sieht: Zahngesundheit und Parasiten als Frage des Pferdewohls

Zahnerkrankungen und innere Parasiten gehören zu den am stärksten unterschätzten Gesundheitsproblemen beim Pferd – weil sie selten nach außen sichtbar sind und die Symptome…

8 Min. Lesezeit·Aktualisiert August 2026

Zahnerkrankungen und innere Parasiten gehören zu den am stärksten unterschätzten Gesundheitsproblemen beim Pferd – zum einen, weil sie selten nach außen sichtbar sind, zum anderen, weil die Symptome (Gewichtsverlust, schlechte Futterverwertung, wiederkehrende Kolik) leicht anderen Ursachen zugeschrieben werden.

Zahnerkrankungen – häufiger, als man denkt

Eine britische Praxisstudie an 932 Pferden in der Allgemeinpraxis zeigte das Ausmaß klar. Die Forscher fanden aktive Parodontalerkrankung, Diastema (Lücken zwischen den Zähnen) und periphere Karies bei 13,9, 8,7 bzw. 8,2 Prozent der untersuchten Population. Die Studie stellt fest: Zahnerkrankungen beim Pferd bleiben ein weit verbreitetes Leiden domestizierter Pferde – mit dem Potenzial, das Wohlbefinden erheblich zu belasten, wenn sie nicht entdeckt und behandelt werden.

Parasiten – eine chronische Bedrohung für die Darmgesundheit

Innere Parasiten, vor allem Cyathostominen (kleine Strongyliden) und große Strongyliden, gehören zu den wichtigsten Hintergrundursachen von Kolik. Die Forschung beschreibt das historische Bild: Entwurmungsmittel, die in den 1960er-Jahren aufkamen, haben Pferdegesundheit und -wohlbefinden deutlich verbessert – mit potenziell schweren Folgen, wenn die Kontrolle versagt. Große Mengen Cyathostominen in der Dickdarmwand können eine tödliche Kolitis auslösen, wenn eingekapselte Parasiten gleichzeitig freigesetzt werden, und wandernde Strongylus vulgaris können schwere Kolik verursachen.

Das Resistenzproblem – eine wachsende Krise

Jahrzehnte routinemäßiger Entwurmung haben ein ernstes Resistenzproblem geschaffen. Eine irische Studie an 44 Pferdebetrieben fand weit verbreitete Resistenz gegen Benzimidazole sowie Hinweise auf Resistenz gegen Ivermectin und Moxidectin – zwei der am häufigsten eingesetzten Wirkstoffklassen. Ein Forscher sagt es unverblümt: „Der fortgesetzte wahllose Einsatz von Entwurmungsmitteln ist, als würden wir uns selbst ins Bein schießen“ – mit dem Hinweis, dass keine neuen Entwurmungsmittel in der Entwicklung sind.

Der Hintergrund ist klar. Die Forschung zeigt: Die meisten Turnierpferde werden vier- oder mehrmals im Jahr entwurmt, um die Leistung zu verbessern – und das hat zum wachsenden Resistenzproblem beigetragen.

Der Weg nach vorn: gezielte Entwurmung statt Routine

Die Branche bewegt sich zu einer stärker individuellen Strategie. Die Forschung beschreibt den Wechsel: Die routinemäßige Entwurmung aller Pferde das ganze Jahr über wird durch nachhaltigere Methoden ersetzt, die den Wert einer ausreichenden Parasiten-Refugienpopulation (refugia) berücksichtigen. Diese Methode, selektive Therapie genannt, baut darauf, dass das relative Niveau der Eiausscheidung (fecal egg count) bei einem einzelnen Pferd eine vergleichsweise stabile Eigenschaft ist – eine verlässliche Grundlage für die selektive Behandlung. Heißt: Du entwurmst nur die Pferde, die tatsächlich eine hohe Parasitenlast tragen, nicht die ganze Herde.

Manche Gruppen haben unabhängig von der Strategie ein besonders hohes Risiko. Die Forschung identifiziert: Junge Pferde (unter 5 Jahren) und ältere Pferde (über 20 Jahre) sowie Tiere mit Begleiterkrankung sind anfälliger für hohe Parasitenlasten mit klinischen Folgen.

Praktisch für dich als Pferdehalter

Checkliste
  • Zahnkontrolle mindestens einmal im Jahr.
  • Nutze Kotproben und selektive Entwurmung – nicht die Routine für die ganze Herde.
  • Besondere Aufmerksamkeit für junge und ältere Pferde.

Bei Hästannons gehören Pferdewohl und verantwortliches Halten zusammen – egal ob du kaufst, verkaufst, züchtest oder reitest. Lies weiter in der Serie und in unseren praktischen Ratgebern.

Häufige Fragen

Wie oft soll das Pferd zur Zahnkontrolle?

Mindestens jährlich für die meisten Pferde; ältere Pferde und solche mit bekannten Problemen können engere Kontrollen brauchen.

Warum solltest du nicht alle Pferde routinemäßig entwurmen?

Weit verbreitete Resistenz gegen gängige Mittel macht die selektive Entwurmung anhand der Kotprobe (fecal egg count) zur empfohlenen Strategie.

Welche Pferde haben das höchste Parasitenrisiko?

Junge Pferde (unter 5 Jahren), ältere Pferde (über 20 Jahre) und Tiere mit Begleiterkrankung.

Mehr in der Serie

Die Basis des Wohlbefindens: Futter, Umgebung und körperliche Gesundheit—Die stille Epidemie: Übergewicht, EMS und Hufrehe—Das letzte Drittel: Was wir über das Wohlbefinden älterer Pferde wissen

Quellen

  • Prevalence and analysis of equine periodontal disease, diastemata and peripheral caries in a first-opinion horse population in the UK, PubMed
  • Nielsen, M., zitiert in Resistance to Equine Dewormers, Kentucky Equine Research
  • Unravelling the Effectiveness of Anthelmintic Treatments on Equine Strongyles on Irish Farms, PMC11240484
  • Progress in serology and molecular biology of equine parasite diagnosis: sustainable control strategies, Frontiers in Veterinary Science
  • Sustainable equine parasite control: perspectives and research needs, PubMed
  • The Use of Innovative Diagnostics to Inform Sustainable Control of Equine Helminth Infections, PMC10610145