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Pferdewohl/Das letzte Drittel: Was wir über das Wohlbefinden älterer Pferde wissen
Eine Hand berührt vorsichtig die Nase eines Pferdes
Pferdewohl · Reportage · Verhalten & Leben

Das letzte Drittel: Was wir über das Wohlbefinden älterer Pferde wissen

Der Anteil älterer Pferde in der Branche steigt stetig.

9 Min. Lesezeit·Aktualisiert August 2026

Der Anteil älterer Pferde in der Branche steigt stetig. Eine US-Studie zeigte: Der Anteil geriatrischer Pferde unter den klinischen Aufnahmen stieg von 2,2 Prozent 1989 auf 12,5 Prozent 1999 – fast eine Versechsfachung in zehn Jahren. Forscher definieren ein Pferd heute ab 15 Jahren als „alternd“ und ab 30 Jahren oder älter als „sehr alt“.

Eine wachsende Gruppe

Das spiegelt einen breiteren Trend: Pferde werden zunehmend als lebenslange Begleiter gehalten, nicht nur als reine Nutz- oder Turniertiere – teils dank der starken Beziehung, die über lange Jahre des Haltens zwischen Pferd und Halter wächst.

Warum Pferde in den Ruhestand gehen

Eine US-Umfrage unter Betrieben der pferdegestützten Therapie fand: Erkrankungen des Bewegungsapparats, Verhaltensprobleme und andere Gesundheitsprobleme waren die häufigsten Gründe, Pferde in den Ruhestand zu nehmen. Die Studie notierte außerdem: Forschung dazu, welche Gesundheitsprobleme genau hinter dem Ruhestand stehen, könnte Präventionsstrategien liefern, die das aktive Leben von Pferden verlängern.

Eine andere Studie zu Ruhestandsmustern fand: Die Mehrheit der Pferde, 61 Prozent, ging zwischen 15 und 24 Jahren in den Ruhestand; der Rest verteilte sich auf früheren und späteren Ruhestand.

Der Körper verändert sich – aber bei jedem Pferd anders

Ein wiederkehrender Hinweis von Fachleuten: Zu verallgemeinern gehört zu den häufigsten Fehlern in der Pflege älterer Pferde, weil jedes Pferd anders altert – körperlich wie mental. Gewichtsveränderung ist ein klares Beispiel: Viele ältere Pferde nehmen ab, auch ohne mehr Bewegung, andere nehmen leicht zu, weil sie nicht mehr so viel Energie verbrauchen wie im aktiven Dienst. Unter- wie Übergewicht bringen Gesundheitsrisiken für das ältere Pferd.

Mehrere Tierärzte betonen: Ein sicheres, gutes Alter fürs Pferd braucht in der Praxis besondere, angepasste Pflege – nicht nur, das Pferd „in Rente zu schicken“, ohne die Routine zu ändern. Sie brauchen mehr Zuwendung und Aufmerksamkeit, die gezielt ihrem Wohlbefinden gilt.

Mentale Anregung ist genauso wichtig wie körperliche Pflege

Ein oft vergessener Bereich: der Bedarf älterer Pferde an mentaler Anregung. Fachleute vergleichen es mit Kreuzworträtseln für ältere Menschen – das Gehirn muss weiter benutzt werden. Forscher nennen das „Umweltanreicherung“: Objekte und Aktivitäten, die den Geist anregen. Wie viel nötig ist, hängt davon ab, wie viel Anregung das Pferd in seiner Umgebung schon hat – und Herdenkontakt gibt oft schon für sich genommen erhebliche Anregung.

Lebensqualität als messbarer Begriff

Ein wachsendes Forschungsfeld versucht, Werkzeuge zu entwickeln, um die Lebensqualität chronisch kranker und älterer Pferde objektiv zu beurteilen – besonders vor schwierigen Entscheidungen wie der Euthanasie. Ein systematischer Überblick bestehender Tools zur Bewertung des Wohlbefindens stellte fest: Es fehlt ein eigenes Werkzeug, um Lebensqualität bei chronisch kranken oder alternden Pferden aus der Erfahrung des Pferdes selbst zu messen, auch wenn mehrere Tools Wohlbefinden in anderen Kontexten beurteilen. Ein klares Zeichen, dass das Feld noch in der Entwicklung ist.

Wohnumgebung, die zum Alter passt

Praktische Empfehlungen für pensionierte und ältere Pferde: geräumige, gut belüftete Unterstände mit rutschfestem Boden, um Sturzrisiko zu senken; weicheres Einstreu für Pferde, die öfter liegen; sowie automatische Tränken, die gleichmäßigen Zugang zu frischem Wasser sichern. Gleichzeitig gilt: Etwas Bewegung bleibt entscheidend für die Gesundheit, auch wenn intensives Training nicht mehr dran ist.

Praktisch für dich als Pferdehalter

Checkliste
  • Verfolge Gewicht und Futterzustand regelmäßig – Unter- wie Übergewicht sind häufig.
  • Pass Box oder Koppel an: Rutschschutz, weiches Einstreu, gute Lüftung.
  • Gib mentale Anregung – Gesellschaft, Bewegung und Abwechslung.
  • Sprich Lebensqualität mit dem Tierarzt an, wenn sich Verhalten oder Gesundheit ändern.

Bei Hästannons gehören Pferdewohl und verantwortliches Halten zusammen – egal ob du kaufst, verkaufst, züchtest oder reitest. Lies weiter in der Serie und in unseren praktischen Ratgebern.

Häufige Fragen

Ab wann gilt ein Pferd als alternd?

Die Forschung setzt oft 15 Jahre als Beginn des Alterns und 30+ als sehr alt – aber jedes Individuum ist einzigartig.

Brauchen pensionierte Pferde weniger Pflege?

Im Gegenteil – sie brauchen oft stärker individuell angepasste Pflege: Gewicht, Futterzustand, Hufpflege, mentale Anregung und angepasste Umgebung.

Wie beurteilt man die Lebensqualität älterer Pferde?

Ein perfektes Werkzeug fehlt, aber Verhaltensänderungen, Gewicht, Bewegung und Schmerzzeichen solltest du über die Zeit systematisch verfolgen.

Mehr in der Serie

Die stille Epidemie: Übergewicht, EMS und Hufrehe—Die stille Sprache des Pferdes: Was das Verhalten über das Wohlbefinden verrät—Wenn das Leben des Pferdes endet: Schlachtung, überzählige Pferde und Rettungsheime

Praktische Ratgeber

Ein Pferd kaufen

Quellen

  • Rankins et al. (2021), A Survey of Horse Selection, Longevity, and Retirement in Equine-Assisted Services in the United States, Animals, PMC8388649
  • Reasons and Risk Factors for Horse Retirement, My Senior Horse
  • Considerations for a Horse's Healthy Retirement, TheHorse.com
  • Welfare of Aged Horses, PMC4513472
  • Quality of Life within Horse Welfare Assessment Tools, PMC9311870