


Obwohl die Zucht das Fundament der ganzen Pferdebranche ist, bleibt die Forschung zum Wohlbefinden in der Zucht vergleichsweise dünn.
Obwohl die Zucht das Fundament der ganzen Pferdebranche ist, bleibt die Forschung zum Wohlbefinden in der Zucht vergleichsweise dünn. Ein großer Literaturüberblick stellt fest: Zucht umfasst die Prozesse bis zur Befruchtung, die Trächtigkeit und den Umgang mit Hengsten, Zuchtstuten und Fohlen bis zum Absetzen – und die Arbeit, negative Effekte aufs Wohlbefinden in diesem Bereich zu erkennen und zu begrenzen, steckt noch in der Entwicklung.
Eine breite Kartierung unter Mitgliedern der World Breeding Federation for Sport Horses identifizierte drei zentrale Prioritäten fürs Wohlbefinden über den Zuchtzyklus: die Freiheit der Zuchttiere sowie die Pflege von Fohlen, Jährlingen und jungen Pferden im Aufwachsen – auf Basis von Interviews, systematischen Literaturüberblicken und Fokusgruppen mit Akteuren der Branche.
Der Reproduktionsprozess selbst kann ein erheblicher Stressfaktor sein. Ein Überblick des Forschungsstands stellt fest: Hengste und Stuten sind im Zusammenhang mit der Zucht regelmäßig stressenden Erlebnissen und Prozeduren ausgesetzt. Das kann ihre eigene Leistung negativ beeinflussen und das kommende Fohlen für negative Gesundheits- und Verhaltensausgänge prädisponieren.
Wie junge Pferde gehalten werden, beeinflusst klar das Risiko für Verhaltensprobleme später im Leben. Eine vierjährige Studie an 225 jungen Vollblütern und Halbblütern fand unnormales Verhalten bei 34,7 Prozent der Population – und dass Fohlen niedriger oder mittelrangiger Stuten seltener solches Verhalten entwickelten. Ein Ergebnis, das darauf hinweist: Soziale Hierarchie und Gruppendynamik spielen eine spürbare Rolle.
Auch die Gruppenzusammensetzung hat sich als entscheidend für Ruhe und Harmonie in der Herde erwiesen. Eine umfangreiche Studie an Islandpferden in der Gruppe fand: Die Aggressionsniveaus waren besonders niedrig in Zuchtgruppen mit einem einzigen anwesenden Hengst; die Pferde waren weniger aggressiv in Gruppen mit jungen Fohlen und dort, wo die Gruppenzugehörigkeit stabil war. Unbekannte Jährlinge in gleichaltrigen Gruppen waren dagegen besonders aggressiv gegeneinander.
Das Absetzen markiert einen entscheidenden Bruch. Ein Forschungsüberblick stellt fest: Die Forschung zeigt, dass teilweise, schrittweise Absetztechniken für das Fohlen am wenigsten stressig sind – verglichen mit vollständigem, abruptem Absetzen. Und: Ausreichende Aufnahme von Beifutter, bevor das Absetzen beginnt, kann den Absetzstress deutlich senken, unabhängig von der Methode.
Physiologische Studien bestätigen das Muster. Eine Studie, die Cortisol und Entzündungsmarker bei Fohlen einer Trabrennsport-Aufzucht maß, fand: Die Cortisolspiegel blieben stabil, wenn ein Protokoll mit schrittweiser Trennung und sozialer Unterstützung durch bekannte erwachsene Pferde eingehalten wurde – ein Hinweis, dass die Methode den Absetzstress senken kann. Eine andere Studie stellte fest: Abruptes Absetzen ist stressiger als schrittweises Absetzen, bei dem die Fohlen geruchlichen, visuellen und akustischen Kontakt zur Stute behalten dürfen.
Ein Ortswechsel scheint den Stress zusätzlich zu verstärken. Forschung hat gezeigt: Absetzen und den Umzug auf eine neue Anlage zeitlich zu trennen – also nicht beides gleichzeitig zu tun – hatte langfristig negativere Effekte auf die Fohlen, als wenn beide Ereignisse zusammenfallen.
Bei Hästannons gehören Pferdewohl und verantwortliches Halten zusammen – egal ob du kaufst, verkaufst, züchtest oder reitest. Lies weiter in der Serie und in unseren praktischen Ratgebern.
Hengste, Stuten und Fohlen sind stressenden Routinen ausgesetzt, die Zuchttiere wie die Entwicklung der Nachkommen beeinflussen können.
Ja – stabile Gruppenzusammensetzung und Sozialkontakt senken Aggressivität und das Risiko für Verhaltensprobleme später im Leben.
Schrittweise Trennung mit Kontakt zur Stute, ausreichend Futter vor dem Absetzen und Gesellschaft anderer Fohlen danach.