


In den Stallgassen, auf Reitschulen und auf Trab- und Galopprennbahnen in Schweden und weltweit verändert sich gerade etwas.
In den Stallgassen, auf Reitschulen und auf Trab- und Galopprennbahnen in Schweden und weltweit verändert sich gerade etwas. Die Frage, wie es dem Pferd wirklich geht, ist vom Nischenthema zu einer der brennendsten Fragen der ganzen Pferdebranche geworden. Trotzdem stellen Forscher fest: Ein gemeinsamer, zusammenhängender Rahmen, um über Wohlbefinden im internationalen Pferdesport nachzudenken, fehlt noch – trotz umfangreicher veterinärmedizinischer Forschung und obwohl mehrere internationale Sportverbände inzwischen eigene Abteilungen oder Programme für Pferdewohl haben.
Der gängigste Rahmen, um Tierwohl zu beurteilen, sind die fünf Freiheiten. Sie wurden ursprünglich für Nutztiere entwickelt und gehen auf den Brambell-Bericht von 1965 zurück. 1979 hat sie der britische Farm Animal Welfare Council formalisiert. Fünf Grundprinzipien, die bis heute der Ausgangspunkt sind, wenn Forschung und Praxis einschätzen, wie es einem Pferd geht.
Auf Pferde bezogen sind die Freiheiten in der Praxis unterschiedlich schwer zu erfüllen. Manche, etwa Freiheit von Hunger und Durst, sind in der entwickelten Welt vergleichsweise grundlegende Anforderungen. Andere – vor allem die Freiheit, arttypisches Verhalten zu zeigen – sind für ein domestiziertes Turnier- oder Freizeitpferd deutlich schwerer einzulösen.
Eine besondere Herausforderung ist das Futter: Pferde sind evolutionär „trickle feeders“ – sie sind darauf ausgelegt, den Großteil des Tages zu kauen oder mit Futter beschäftigt zu sein (16–18 Stunden). Wildlebende Pferde verbringen rund 60 Prozent ihrer Zeit mit Fressen. Turnierpferde in Einzelboxen kommen oft nur auf etwa 15 Prozent – ein Unterschied mit direkten Folgen fürs Wohlbefinden.
Die Forschung ist in den letzten Jahren weitergegangen: Es reicht nicht mehr, Leid zu vermeiden – die Frage ist, was ein gutes Leben ausmacht. Der neuere Rahmen der fünf Domänen knüpft daran an: Ernährung, physische Umgebung, Gesundheit und Verhaltensinteraktionen wirken gemeinsam auf das mentale Wohlbefinden. Oft gilt er als höhere Messlatte als die fünf Freiheiten, weil er verlangt, dass Tiere gedeihen und positive Erfahrungen machen – nicht nur überleben.
Trotz wachsenden Bewusstseins zeigt die Forschung: Der Konflikt zwischen Leistungsanforderungen und den Bedürfnissen des Pferdes bleibt eine zentrale Herausforderung. Eine britische Fokusgruppenstudie mit Akteuren aus dem Pferdesport fand genau das als Schlüsselfrage fürs Wohlbefinden – und dass die psychologischen Bedürfnisse oft zu kurz kommen, obwohl die körperliche Gesundheit von Turnierpferden eng überwacht wird. Die Teilnehmenden meinten außerdem: Bessere Haltung und besserer Umgang im Alltag würden wahrscheinlich mehr bewirken als allein schärfere Turnierregeln.
Pferdewohl steckt in einer Umbruchphase: Wissenschaft, Regelwerke und die Erwartungen der Öffentlichkeit bewegen sich in dieselbe Richtung – die Praxis hinkt oft hinterher. Genau dort entsteht Raum für Werkzeuge und Plattformen, die Pferdehaltern, Trainern und Organisationen helfen, Forschung in greifbare, messbare Alltagspraxis zu übersetzen.
Bei Hästannons gehören Pferdewohl und verantwortliches Halten zusammen – egal ob du kaufst, verkaufst, züchtest oder reitest. Lies weiter in der Serie und in unseren praktischen Ratgebern.
Die fünf Freiheiten sind ein internationaler Rahmen für Tierwohl, formuliert im Brambell-Bericht 1965 und 1979 vom britischen Farm Animal Welfare Council formalisiert. Sie beschreiben fünf Grundbedürfnisse, die ein Pferd erfüllen können soll – von Futter und Wasser über Sicherheit, Versorgung, arttypisches Verhalten bis zum Schutz vor unnötiger Angst. Sie sind bis heute einer der häufigsten Ausgangspunkte, wenn Forschung und Praxis Haltung beurteilen – auch wenn neuere Rahmen wie die fünf Domänen zusätzlich positive Erfahrungen betonen.
Das Pferd braucht ausreichend Futter und sauberes Wasser. Praktisch heißt das: Raufutter und Wasser sollen so verfügbar sein, dass das Pferd in einem Tempo fressen und trinken kann, das zur Art passt – nicht nur zu den Fütterungszeiten.
Das Pferd braucht eine passende, sichere Umgebung: guten Liegeplatz, Schutz und die Möglichkeit, sich zu bewegen. Es geht um Stall, Koppel, Lüftung, Liegeflächen – und darum, Umgebungen zu vermeiden, die zu eng, schmutzig, nass oder ungeschützt sind.
Gesundheit soll vorbeugend geschützt und das Pferd versorgt werden, wenn es krank oder verletzt ist. Dazu gehören regelmäßige Gesundheitsvorsorge, schnelle Behandlung bei Verletzung oder Krankheit – und dass du das Pferd nicht Ausrüstung, Umgang oder Training aussetzt, die unnötigen Schmerz verursachen.
Das Pferd soll sich bewegen, fressen, Kontakt haben und sich so verhalten können, wie es zur Art gehört. Pferde sind soziale Weidetiere: Sie brauchen Bewegung, Kontakt zu anderen Pferden und die Möglichkeit, über den Tag verteilt zu fressen – nicht nur kurze Boxenzeiten oder Alleinsein.
Der Umgang soll so sein, dass sich das Pferd sicher fühlt und nicht unnötig Angst oder Stress ausgesetzt wird. Das gilt für Umgang, Training, Transport und den Stallalltag – Pferde, die sich sicher fühlen, sind kooperativer, und ihnen geht es auf Dauer besser.
Ein neuerer Rahmen, der Ernährung, physische Umgebung, Gesundheit und Verhalten betont – und wie sie gemeinsam auf das mentale Wohlbefinden wirken. Der Fokus: Das Pferd soll gedeihen, nicht nur Leid vermeiden.
Wissenschaft, Regelwerke und die Erwartungen der Öffentlichkeit bewegen sich in dieselbe Richtung, während die Praxis oft hinterherhinkt – deshalb braucht es klare, forschungsbasierte Kenntnis.