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Pferdewohl/Die Reise, die stresst: Was die Forschung zum Pferdetransport sagt
Fuchs mit Blesse geht durch eine grüne Koppel
Pferdewohl · Reportage · Sport & Gesellschaft

Die Reise, die stresst: Was die Forschung zum Pferdetransport sagt

Pferde werden oft und manchmal über sehr lange Strecken transportiert – zu Turnieren, in die Zucht, bei Halterwechsel oder zur Schlachtung.

8 Min. Lesezeit·Aktualisiert August 2026

Pferde werden oft und manchmal über sehr lange Strecken transportiert – zu Turnieren, in die Zucht, bei Halterwechsel oder zur Schlachtung. Obwohl das zum Alltag der Pferdehaltung gehört, zeigt die Forschung durchgängig: Transport kann ein erheblicher physiologischer Stressfaktor sein – mit Folgen für Gesundheit und Wohlbefinden des Pferdes.

Was der Körper nach einem langen Transport zeigt

Eine Studie, die transportierte Pferde mit einer nicht transportierten Kontrollgruppe verglich, fand direkt nach dem Abladen klare physiologische Veränderungen: erhöhte Herz- und Atemfrequenz, erhöhte Rektaltemperatur, verlängerte kapilläre Rückfüllzeit sowie mehr Neutrophile – alles Zeichen einer akuten Stressreaktion. Eine Woche später hatten sich die meisten Werte normalisiert, Gesamtserumprotein und Serumglobuline waren aber noch erhöht – ein Hinweis, dass manche immunologischen Effekte länger anhalten als die offensichtlichsten Stressmarker.

Dieselbe Forschergruppe stellte fest: Langer Transport löste eine Akute-Phase-Reaktion aus, die die zellvermittelte Immunfunktion verschlechterte – das kann erklären, warum Pferde nach langen Reisen oft anfälliger für Infektionen sind (ein Phänomen, das manchmal „shipping fever“ genannt wird).

Die Distanz spielt eine Rolle – aber nicht immer so, wie man denkt

Interessant: Die Forschung zeigt, dass sich der Körper an Transport nicht immer nach dem einfachen Muster anpasst, längere Reise gleich mehr Stress. Eine Studie, die die Augentemperatur (ein Indikator für stressbedingte Cortisolfreisetzung) bei Turnierpferden maß, fand: Eine 100-km-Fahrt brachte einen klaren Temperaturanstieg, der nahelegte, dass sich die Pferde innerhalb einer Stunde nicht leicht an die Situation anpassten. Bei einer 300-km-Fahrt blieben die Werte dagegen stabil – gelesen als Zeichen, dass die Pferde sich während der längeren Reise physiologisch anpassen konnten.

Lufttransport: ein eigenes Risikobild

Im internationalen Pferdesport und in der Zucht läuft Transport oft über die Luft. Eine Studie, die über hundert Pferde durch kommerziellen Lufttransport begleitete, fand: Der Flugtransport beeinflusste Verhalten und Gesundheitsstatus der überwachten Pferde, mit stressbezogenem Verhalten als Teil des Ergebnisses. Die Forscher empfahlen ausdrücklich, den Straßentransport zum und vom Flughafen so weit wie möglich zu verkürzen – um die Gesamtbelastung für Gesundheit und Wohlbefinden des Pferdes zu senken.

Auch kurze Transporte wirken

Nicht nur der Langstreckentransport zählt für die Arbeit am Wohlbefinden. Forschung an älteren Pferden hat gezeigt: Auch Kurztransport bringt stressbezogene Veränderungen der Immunfunktion – besonders wichtig bei Pferden, die ohnehin eine empfindlichere Gesundheit haben.

Schlachttransport – ein besonders sensibles Feld

In dem Teil der Transportkette, der die Schlachtung betrifft, weist die Forschung auf mehrere zusammenwirkende Risikofaktoren hin. Ein Überblick stellte fest: Die Eigenschaften der Tiere selbst – Alter, Geschlecht, Rasse und Temperament –, die Infrastruktur am Ankaufsort wie am Schlachthof, die Gestaltung des Fahrzeugs, die Umweltbedingungen und die Qualität der Interaktion zwischen Mensch und Tier beeinflussen das Wohlbefinden vor der Schlachtung erheblich. Derselbe Überblick notierte: Die aktuellen Empfehlungen zur Mindestbodenfläche in Transportfahrzeugen reichen nicht, und klare Leitlinien für optimale Wartezeiten am Schlachthof fehlen – ein Hinweis auf weiter bestehenden Regelungsbedarf.

Praktisch für dich als Pferdehalter

Checkliste
  • Plane den Transport nach Alter, Gesundheit und Länge der Reise.
  • Gib dem Pferd Zeit, sich nach der Fahrt zu erholen – besonders wichtig bei älteren Pferden.
  • Prüfe Lüftung, Wasser und Bodenfläche im Transporter.
  • Beim Fernkauf: stell Fragen zur Transporthistorie und dazu, wie das Pferd reagiert hat.

Regeln und Genehmigungen für den Pferdetransport in Schweden – wer was fahren darf und welche Behörden was verlangen – stehen in unserem praktischen Ratgeber.

Bei Hästannons gehören Pferdewohl und verantwortliches Halten zusammen – egal ob du kaufst, verkaufst, züchtest oder reitest. Lies weiter in der Serie und in unseren praktischen Ratgebern.

Häufige Fragen

Stresst Transport Pferde?

Ja – die Forschung zeigt klare physiologische Stressmarker, besonders direkt nach dem Abladen, und ein erhöhtes Infektionsrisiko nach langen Reisen.

Wirken kurze Transporte auf ältere Pferde?

Ja – auch kurzer Transport kann die Immunfunktion beeinflussen, was bei Pferden mit bereits eingeschränkter Gesundheit wichtig ist.

Wie senkst du Transportstress?

Plane Pausen, pass Alter und Gesundheit des Pferdes an, vermeide unnötige Strecken und schau nach der Reise nach dem Pferd.

Mehr in der Serie

Gesetz und Pferd: Was EU und Schweden tatsächlich regeln—Das letzte Drittel: Was wir über das Wohlbefinden älterer Pferde wissen—Das Dilemma des Sports: Gewinnen, ohne das Vertrauen des Pferdes zu verlieren

Praktische Ratgeber

Pferdetransport in Schweden: Regeln und Genehmigungen

Quellen

  • Padalino et al. (2017), Transport stress in horses: Effects of two different distances, Research in Veterinary Science, ScienceDirect
  • Miller et al. (2021), Short-term transport stress and supplementation alter immune function in aged horses, PLOS ONE, PMC8376036
  • Eye Temperature Measured with Infrared Thermography to Assess Stress Responses to Road Transport in Horses, PMC11240744
  • Analysis of current methods and Welfare concerns in the transport of 118 horses by commercial air cargo companies, BMC Veterinary Research
  • (PDF) Transport stress in horses: Effects of two different distances (pre-slaughter welfare section), ResearchGate